Corona und die Müllberge

DEM TREND ZUR VERPACKUNGSVERMEIDUNG UND ZU ZERO WASTE SCHEINT DIE AKTUELLE SITUATION EIN JÄHES ENDE GESETZT ZU HABEN.

Gratwein-Straßengel, 11. August 2020. - Während österreichweit zuletzt immer mehr Unverpacktläden eröffneten und das Image der Plastikverpackung litt, scheint die Pandemie eine Trendwende herbeizuführen: Im Frühjahr ist der Anteil an Plastikmüll etwa in steirischen Haushalten um 20-30% gestiegen. Gleichzeitig haben viele Menschen, ob bewusst oder unbewusst, erstmals einen Schritt in Richtung weniger Verschwendung und somit weniger Abfall gesetzt.

 

Die Sorge um Ansteckung mit dem COVID-19-Erreger veranlasste ab März dieses Jahres Supermärkte dazu, die mitgebrachte Tupperdose an der Frischetheke nicht mehr zu akzeptieren. Auch an sich umweltbewusste KonsumentInnen fühlen sich beim Griff zu eingeschweißten Lebensmitteln derzeit sicherer. Der Lockdown wurde darüber hinaus in vielen Haushalten genutzt, um Keller oder Kleiderschrank auszumisten, und das verstärkte häusliche Leben führte zu mehr Lebensmittelabfällen. Insgesamt stieg das Abfallaufkommen etwa in der Steiermark damit auf ein Niveau, das üblicherweise nur zu den Weihnachtsfeiertagen erreicht wird.

 

Dennoch ist gerade durch Corona ein müllfreierer Lebensstil, der Anfang des Jahres noch so schwerfiel, für viele Menschen ein Stück weit Realität geworden. Der morgendliche Coffee-to-go, wodurch österreichweit bisher täglich 800.000 Einwegbecher im Müll landeten, ist im Homeoffice nach wie vor unmöglich. Der Spaß an ausgedehnten Shoppingtouren stellt sich wegen der möglichen Ansteckungsgefahr nicht richtig ein. Dafür erfreuen sich regionale Grundnahrungsmittel und das selber Kochen wieder größerer Beliebtheit. Wer sich dann noch im Resteverwerten übt, vermeidet nicht nur Verpackungsmüll (welcher sich bei schnellen Fertiggerichten nicht vermeiden lässt), sondern auch Lebensmittelverschwendung, und damit sogar bares Geld. Überhaupt haben praktische Fähigkeiten neuerdings einen hohen Stellenwert – vom Gärtnern und Brotbacken bis zum Selbernähen der Mundschutzmasken. Aber Achtung: Auch Zero Waste ist ein ansteckendes Virus! Ein verschwendungsfreier Haushalt beeinflusst durchschnittlich fünf bis zehn weitere Haushalte.

 

Trotz aller Unsicherheiten ist eines gewiss: Die Klimakrise wird uns auch in Zukunft vor enorme Herausforderungen stellen. Wenn das COVID-Virus unsere Gesellschaft tatsächlich verändern kann, so nutzen wir doch diese Dynamik, um im eigenen privaten Umfeld einen Beitrag zu einem verschwendungsfreieren Morgen zu leisten, und hoffen wir auf größtmögliche Ansteckung. Denn die Zukunft ist das, was wir daraus machen.