Vermüllte Autobahnen als Symptomträger

DEN ABFALL AN ÖSTERREICHS AUTOBAHNEN ZU SAMMELN IST AUFWENDIG UND TEUER. MÜLLVERMEIDUNG BEKÄMPFT DAS PROBLEM AN DER WURZEL.

Gratwein-Straßengel, 24. August 2020 -8.600 Tonnen Müll fielen laut Asfinag im Vorjahr an Österreichs Autobahnen an, wovon ein Teil mühsam händisch gesammelt werden musste. Das mag einerseits an der Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit mancher Autobahnbenutzer*innen liegen, die sich ihrer Getränkeflaschen oder anderer Verpackungen achtlos entledigen. Im Grunde sind vermüllte Autobahnen jedoch vor allem Ausdruck unserer Wegwerfgesellschaft. Sammeln, Trennen und Entsorgen sind wichtig, können die Ursache des Problems jedoch nicht beheben.

 

 

Wir Österreicher*innen fühlen uns als vermeintliche Recyclinghelden, das Mülltrennen praktizieren wir seit Jahrzehnten. Abfälle sind - anders als bei unseren südlichen Nachbarn – im täglichen Leben und im öffentlichen Raum praktisch unsichtbar geworden. Unsere Abfallwirtschaft leistet Vorbildliches. Aus den Augen, aus dem Sinn – dieses Prinzip gilt auch bei unserem Müll, und lässt vergessen, dass jede*r Österreicher*in stolze 564 kg jährlich davon verursacht. An den heimischen Autobahnen wird durch das nachlässige Verhalten einiger weniger sichtbar, dass er durchaus anfällt, der Müll.

 

 

Doch selbst jene, die ihre Verpackungsabfälle vorbildlich in den entsprechenden Containern und Mülltonnen entsorgen, sind noch keine Helden, sondern weiterhin Teil des Problems: Die Recyclingrate bei Plastikverpackungen liegt in Österreich nämlich bei lediglich 34%. Ein konsequentes Vermeiden von Einwegverpackungen, das unter dem Begriff Zero Waste ein neues Lebensgefühl beschreibt, kann Abhilfe schaffen.

 

 

Müllfreier (Zero Waste) Reiseproviant ist stilvoll: Leitungswasser mit eingelegten Minzblättern („Infused Water“) in die eigene Trinkflasche füllen, die letzten Cocktail-Tomaten aus dem Kühlschrank in ein Schraubglas packen, die Käsesemmel im Supermarkt in die mitgebrachte Tupperdose geben lassen. Das i-Tüpfelchen ist schließlich die Stoffserviette statt der Einwegpapieralternative. Wer einen leere Stoffbeutel, eine Frischhaltebox oder einen sauberen Coffee-to-Go Becher mit dabeihat, kann sich auch unterwegs verpackungsfrei stärken. Und falls die Essensportion im Autobahn-Restaurant größer als der Hunger sein sollte, werden die Reste in der eigenen Dose für die nächste Jausenpause mitgenommen.

 

 

Diese einfachen Maßnahmen ersparen nicht nur das Einsammeln an der Autobahn, sondern darüber hinaus die spätere Entsorgung tausender Tonnen Abfall jährlich. Die unermüdlichen Anstrengungen gegen die Symptome unserer Überflussgesellschaft sind reine Schadensbegrenzung. Für eine dauerhafte Lösung müssen wir uns der eigentlichen Hauptursache, unserer Wegwerfmentalität, stellen – jeder für sich, und die Gesellschaft als Ganzes.